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öffentlichen Mitgliederversammlung mit
Dr. Fritz Behrens MdL


12. September 2006
Der SPD-Gemeindeverband Jüchen hatte zu einer öffentlichen Mitgliederversammlung am 12. September in die Gaststätte "Haus Caspers" eingeladen. Dr. Fritz Behrens MdL , Bürger der Gemeinde Jüchen und Landtagsabgeordneter für Neuss, gab einen kritischen Überblick über ein Jahr schwarz-gelber Regierungsarbeit in NRW. Für diese Thema und den Referenten hätten wir uns eine größere Beteiligung gewünscht; unter den 17 Teilnehmern war aber auch ein parteiloser Bürger aus Korschenbroich, der mit seinen Beiträgen sehr die Diskussion belebte. Dieser Umstand verdient in einer Zeit der lähmenden Entpolitisierung der Öffentlichkeit besondere Erwähnung.

Fritz Behrens kritisierte an Beispielen aus dem Haushaltsentwurf 2007 hart die  doppelbödige Strategie von Ministerpräsident Rüttgers, die er mit "links blinken - rechts abbiegen" charakterisierte. Einerseits stelle sich Rüttgers als "eigentlicher Vertreter der Arbeiterschaft" dar und arbeite an einem politischen Image, das Behrens als "schlechte Raubkopie von Johannes Rau" bezeichnete. Andererseits kürze er entgegen allen Wahlversprechen gerade im sozialen Bereich : Das neue Gemeindefinanzierungsgestz verursache eine Umverteilung zu Lasten der Kommunen (minus 160 Mio € wegen Streichung durch das Einbehalten der Grunderwerbssteuer); minus 100 Mio € bei der Krankenhausfinanzierung; minus 80 Mio € bei Zuschüssen zu Kindertagesstätten; minus 21 Mio € bei der Jugendförderung; minus 18 Mio € bei der Weiterbildung z.B. in Volkshochschulen.

Die steigenden Einnahmen im Steueraufkommen werden dagegen durch den Finanzminister mittels zu niedriger Veranschlagung im Haushalt und anderer Tricks nicht der Haushaltskonsolidierung zugeführt. Hiergegen kündigte Behrens eine Klage der SPD-Fraktion an.

Die Diskussion führte bald auf den Kern der öffentlichen Haushaltsmisere: Was sind heute unverzichtbare öffentliche Aufgaben und welche Geldmittel sind die Bürger und ihre Wirtschaft in der Lage und bereit, dafür aufzubringen ? "Privat vor Staat", die marktradikale FDP-Maxime, führt zu einer unheilvollen Entsolidarisierung in der Gesellschaft. Dennoch müssen Wege gefunden werden, auf denen die zunehmend in private Hände verteilte Wertschöpfung für öffentliche Aufgaben nutzbar gemacht wird, ohne daß die Kommunen die grundsätzliche Kontrolle für den verfolgten Zweck verlieren. Fritz Behrens plädierte in diesem Sinne für einen "aktivierenden Staat", der den bislang alle Aufgaben an sich ziehenden "aktiven Staat" ablöst.

Holger Tesmann

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